Partnerschaften, September 2026
Was für Mitarbeiter schon längst gilt, erreicht nun auch die Unternehmensebene: Einzelkämpfer sind nicht mehr gefragt. Bei teuren Entwicklungsprojekten und einer seit Jahren eingefahrenen Kundenbasis ist es attraktiv mit einem anderen Unternehmen zusammenzuarbeiten, das eine ähnliche Strategie aber andere Praktiken lebt.
Die Partnerschaft kann zwischen zwei im selben Markt tätigen Unternehmen mit unterschiedlichen Produkten bestehen, sie kann aber auch zwischen Lieferant und Kunde aufgebaut werden. Dabei ist im Vorfeld eine klare Regelung dessen wichtig, wie man zusammenarbeiten möchte. Dies geht nur über viel Kommunikation, aber auch Protokolle und einen Zusammenarbeitsvertrag. Böses Blut durch den Eindruck, dass der andere nur ein Trittbrettfahrer ist, sollte unbedingt vermieden werden und schadet langfristig der Beziehung, wie auch dem Image im Markt.
Zunächst sind Gespräche über den genauen Inhalt wichtig. An was wird gearbeitet und an was nicht. In welcher Verantwortung liegen die Bereiche und was bedeutet es zeitlich für die Parteien? Welche Risiken sind in der Zusammenarbeit enthalten und welche Entscheidungen werden zu welchem Zeitpunkt benötigt. All das wird schriftlich fixiert und muss unabhängig von der Konstellation der Partner in einem Annex zu einem Zusammenarbeitsvertrag aufgesetzt werden. Ein Projektplan mit Meilensteinen und nicht zu grossen Entwicklungsschritten gibt den Mitarbeitern, die die Partnerschaft gestalten Übersicht. Auch ein Board, in dem Vertreter sitzen, die regelmässig das Vorgehen und die Inhalte rezensieren bringt einen unschätzbaren Mehrwert, nicht nur thematisch, sondern auch gegenüber den die Partnerschaft lebenden Mitarbeitern. Der Rückhalt von Vorgesetzten ist essentiell, um ein Thema allgemein voranzubringen, speziell aber in Partnerschaften.
Das waren also die technischen Massnahmen rund um eine Partnerschaft. Und was macht eine Partnerschaft nun aus? Es sind geteilte Werte, wie beispielsweise Reaktionszeiten, die auf der anderen Seite nicht den Anschein erweckt, dass auf der anderen Seite etwas liegen bleibt. Ein kurzer Anruf genügt häufig, um das Gegenüber zu erinnern und bei sich selbst den Eindruck eines Versäumnisses zu korrigieren. Allgemein werden Verlässlichkeit und ein gesundes Mass an Entgegenkommen auf beiden Seiten geschätzt. Es ist wie in einer Freundschaft, in der sich alle Parteien nicht vernachlässigt fühlen möchten. Ein no-go ist das Verschweigen eines versteckten Plans. Geduld ist aber häufig notwendig, um in einer Partnerschaft weiterzukommen. Und wer einem anderen einen Stein in den Garten wirft wird auch wieder einen zurückgeworfen bekommen.
Menschen, die an Partnerschaften erfolgreich arbeiten sind Übersetzer von aussen nach innen und von innen nach aussen. Sie verstehen die andere Partei, verlieren aber die eigenen Interessen nicht aus den Augen. Sie nehmen nicht die Identität des anderen Unternehmens an. Die Fähigkeit kann weder einem Fachspezialisten noch einer Führungskraft zugeschrieben werden. Es sind Personen, die ein Flair und Offenheit für diese Art zu arbeiten haben. In Partnerschaften wird häufig kommuniziert bevor etwas vollkommen klar ist. In diesen Situationen darf der Mitarbeitende nicht die Orientierung verlieren und muss die Unsicherheit aushalten mit unvollständigen Informationen umzugehen. Sind Informationen schon komplex zu handhaben, ist ein häufiger Personalwechsel ein Bremsschuh für Partnerschaften. Nun können Personalwechsel nicht vorausgesehen werden, aber durch gute Führungsarbeit, inklusive Lob, und das Leben von Werten, nicht nur in der Partnerschaft, kann dieser Faktor eingegrenzt werden.
Ich habe schon einige Male erlebt, dass bei Partnerschaften die menschliche Chemie den Anstoss für die Partnerschaft gebracht hat oder im Lauf der Zusammenarbeit eine dicke Freundschaft entstanden ist. Neben dem Elan zu Beginn von Partnerschaften, ist es dies, was eine Weiterentwicklung zwischen Firmen ausmacht. Menschliche Beziehungen sind der Kitt zwischen Unternehmen.